Sonntag, 10. März 2013

Wer kauft den Rektor?

Der Sonntag, 17. März 2013

„Mein Wissen hat sich von dem Glauben, der dem Zürcher Appell zugrunde liegt, weltanschaulich distanziert“. Mit diesen Worten wischt der Rektor der Universität Basel, Antonio Loprieno, die Kritik der Unterzeichner des Zürcher Appells vom Tisch. Die Unterzeichner dieses Appells wehren sich gegen die Käuflichkeit (beschönigend: „Sponsoring“) von Bildung durch Pharma, UBS, Atomindustrie etc. (vgl. den heutigen „Sonntag“, S. 47).
Die Öffentlichkeit könne eben nur noch einen Teil der Kosten des Bildungswesens tragen, so Loprieno. Deshalb brauche es das Geld der Wirtschaft. Dass man aber die öffentliche Hand zuerst kaputtsparen muss, bevor sie sich Bildung nicht mehr leisten kann, verschweigt Loprieno (steuerlich geschont werden Unternehmen, die sich mit den eingesparten Steuerfranken dann die Bildung, die sie gerne hätten, bei den Unis gleich selbst einkaufen können).
Loprieno stellt sich über die Kritik, für die er 
„nostalgische Sympathie“ hege und die er "kulturhistorisch" verorte. Auf Deutsch heisst das: Die Unterzeichner der Zürcher Erklärung seien vorgestrige Idealisten ("Humboldtianer"), von deren Ideal ("Glauben") einer freien, nicht käuflichen Bildung er sich durch „Wissen“ distanziere. Nun - was ist das für ein „Wissen“, das Loprieno den "Gläubigen" voraus hat und ihn über sie erhebt? Ist es das „Wissen“, dass heute nun einmal die Vasellas und Gentinettas dieser Welt bestimmen, was an den Universitäten gelehrt wird und was nicht? An der Uni Basel seien rund 25 Professuren von Privaten „gesponsert“ (welche das sind, liegt im Dunkeln), so der Rektor. Wer bezahlt eigentlich seinen Posten?

Matthias Bertschinger
Nunningen

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